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Die teuersten Filmrequisiten der Welt: Wenn Hollywood-Geschichte versteigert wird

Von Dorothys Ruby Slippers bis zu Darth Vaders Lichtschwert: Warum Objekte, die nur für einen Film gebaut wurden, Jahrzehnte später Millionen erzielen – und worauf es bei Originalen ankommt.

RF13. Oktober 202616 Min. Lesezeit

Von Star Wars bis Citizen Kane: Originale Filmrequisiten erzielen bei Auktionen astronomische Summen. Doch was macht ein Objekt, das einst nur Teil einer Filmkulisse war, zu einem der begehrtesten Sammlerstücke der Welt?

7. Dezember 2024, Dallas. Auf den Bildschirmen von Heritage Auctions erscheint ein Paar Schuhe. Rot. Mit Pailletten besetzt. Fast 90 Jahre alt. Online hatten die Gebote zuvor bei 1,55 Millionen Dollar gestanden. Dann beginnt die Live-Runde, und einige wenige Bieter am Telefon spielen sich die Summen zu – eine Viertelstunde lang.

Es sind keine gewöhnlichen Schuhe. Judy Garland trug sie als Dorothy in „Der Zauberer von Oz“. Millionen Menschen kennen sie aus dem Kino, aus dem Fernsehen, aus unzähligen Zitaten. Doch an diesem Abend geht es nicht um den Film. Es geht um das Original.

Der Hammer fällt bei 28 Millionen Dollar. Mit dem Aufgeld des Auktionshauses zahlt der unbekannte Käufer 32,5 Millionen. Für ein Paar Schuhe. Nicht aus Gold, nicht mit Diamanten besetzt, sondern aus einem Film. Und plötzlich ist sichtbar, welchen Preis Hollywood-Geschichte haben kann.

DER REKORD

Objekt
Dorothys Ruby Slippers
Film
Der Zauberer von Oz (1939)
Datum
7. Dezember 2024
Auktionshaus
Heritage Auctions
Gesamtpreis
32.500.000 US-Dollar inkl. Aufgeld (Zuschlag: 28 Mio.)
Die originalen Ruby Slippers aus „Der Zauberer von Oz“ in einer Vitrine des Smithsonian National Museum of American History
Eines der vier erhaltenen Originalpaare: die Ruby Slippers im Smithsonian National Museum of American History in Washington. Es ist nicht das 2024 versteigerte Paar.· Foto: Lorie Shaull · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

32,5 Millionen Dollar: Die teuersten Schuhe der Filmgeschichte

„The Wizard of Oz“, bei uns „Der Zauberer von Oz“, kam 1939 in die Kinos. Die damals 16-jährige Judy Garland spielt Dorothy, ein Mädchen aus Kansas, das in einem fantastischen Land landet und nur mit Hilfe eines Paars roter Schuhe nach Hause findet. In der Buchvorlage von L. Frank Baum sind die Schuhe übrigens silbern – das Rot entstand für den Technicolor-Film.

Die Ruby Slippers stehen für Dorothys ganze Reise. Sie sind Zauber und Ausweg zugleich, und sie sind eines der wenigen Filmobjekte, die nahezu jeder sofort erkennt. Genau hier liegt ein Teil ihres Werts: Die Geschichte muss niemand erklären.

Spannend ist, dass es nicht das eine Original gibt. Laut Heritage Auctions sind vier Paare erhalten, die Judy Garland im Film trug. Eines steht im Smithsonian in Washington, ein weiteres gehört zur Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Das 2024 versteigerte Paar hat eine Geschichte, die kein Drehbuchautor besser hätte schreiben können: Es wurde 2005 als Leihgabe aus dem Judy Garland Museum in Grand Rapids, Minnesota, gestohlen. 2018 stellte das FBI es sicher, und es ging an seinen rechtmäßigen Eigentümer zurück. Erst danach kam es zur Auktion.

Geschätzt hatte Heritage das Paar auf drei Millionen Dollar oder mehr. Das Ergebnis lag am Ende mehr als zehnmal so hoch. Es ist bis heute das teuerste Stück Film-Memorabilia, das je versteigert wurde.

Es gibt nicht ein Original. Es gibt vier. Und trotzdem ist jedes davon unbezahlbar.
Ein weiteres Originalpaar der Ruby Slippers in einer dunklen Vitrine der Academy of Motion Picture Arts and Sciences
Noch ein Original: das Paar der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, fotografiert 2022. Mehrere echte Exemplare derselben Requisite sind bei Filmproduktionen die Regel, nicht die Ausnahme.· Foto: JadeChameleon · CC0 · Wikimedia Commons

Der Holzschlitten, der Filmgeschichte schrieb

Am 16. Juli 2025 versteigerte Heritage Auctions einen Kinderschlitten aus Balsaholz. Der Preis: 14,75 Millionen Dollar inklusive Aufgeld. Auf dem Schlitten steht ein Wort, das jeder Filmhistoriker kennt: Rosebud.

„Citizen Kane“ von Orson Welles erschien 1941 und gilt als einer der einflussreichsten Filme überhaupt. Der Zeitungsmagnat Charles Foster Kane stirbt mit diesem einen Wort auf den Lippen, und ein Reporter versucht herauszufinden, was es bedeutet. Die Auflösung ist der Schlitten aus seiner Kindheit. Er steht für das, was Kane mit all seinem Geld nie zurückkaufen konnte: Kindheit, Erinnerung, Verlust.

Das versteigerte Exemplar ist nach Angaben der BBC eines von mindestens drei bekannten erhaltenen Rosebud-Schlitten. Ein anderes kaufte einst Steven Spielberg und schenkte es später dem Academy Museum of Motion Pictures. Das Auktionsstück dagegen galt lange als verschollen. 1984 drehte Regisseur Joe Dante („Gremlins“) auf dem früheren Studiogelände von RKO, wo „Citizen Kane“ entstanden war. Arbeiter räumten Lager aus, und einer bot ihm den alten Schlitten an. Dante behielt ihn – über 40 Jahre lang.

Vor dem Verkauf ließ Heritage den Schlitten wissenschaftlich untersuchen. Er zeigt laut Auktionshaus Gebrauchsspuren aus der Produktion, originale Farbe und abmontierte Kufen, die vermutlich im Krieg als Altmetall gesammelt wurden.

5,375 Millionen Dollar für einen Roboter von 1956

Am 21. November 2017 stellte Bonhams in New York einen Weltrekord auf. Robby the Robot, der über zwei Meter große Roboter aus „Forbidden Planet“ (deutsch: „Alarm im Weltall“, 1956), wechselte für 5.375.000 Dollar inklusive Aufgeld den Besitzer. Damit war er damals die teuerste Filmrequisite, die je versteigert worden war. Guinness World Records führt den Verkauf bis heute als Rekord für die teuerste Requisite eines Films.

Robby war bereits bei seiner Entstehung eine Ausnahme. Laut Guinness kostete der Bau in der MGM-Werkstatt mehr als 100.000 Dollar. Um die Investition zu nutzen, setzte das Studio ihn später auch in „The Invisible Boy“ und in Dutzenden Fernsehserien ein, darunter „The Twilight Zone“. Sein Design prägte das Bild, das viele Menschen bis heute von einem Filmroboter haben.

Versteigert wurde nicht nur der Anzug. Das Los umfasste laut Bonhams auch den originalen Jeep, mit dem Robby im Film fährt, die Steuerkonsole, alternative Greifhände, einen alternativen Kopf aus „The Twilight Zone“ und die originalen Transportkisten des Studios. Ein ganzes Filmensemble also, nicht nur ein einzelnes Objekt. Eingeliefert hatte es Regisseur und Sammler William Malone, der Robby jahrzehntelang bewahrt hatte.

3,75 Millionen Dollar: Ein Stück Star-Wars-Geschichte

Im Juli 2026 setzte Heritage Auctions einen neuen Rekord für eine im Film verwendete Star-Wars-Requisite: Das Lichtschwert, mit dem Mark Hamill als Luke Skywalker in „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) gegen Darth Vader kämpft, erzielte 3,75 Millionen Dollar. Das Startgebot hatte bei einer Million gelegen.

Es ist das Lichtschwert aus der Szene in Cloud City, in der Vader Luke die Hand abschlägt und den Satz sagt, den jeder kennt: „Ich bin dein Vater.“ Zum Los gehörte deshalb auch ein Effekt-Rig: die abgetrennte Hand, abgeformt von Hamills echter Hand, mit einem Federmechanismus, der sie im richtigen Moment löste.

Genau das zeigt, warum man bei Requisiten genau hinsehen muss. Nicht jedes originale Lichtschwert ist technisch gleich. Für Nahaufnahmen, Kampfszenen und Effekte entstanden unterschiedliche Varianten. Welche Version ein Objekt ist, kann für seine Bedeutung entscheidend sein.

3,654 Millionen Dollar: Die Waffe eines der berühmtesten Film-Bösewichte

Ein Jahr zuvor, am 4. September 2025, hatte das Auktionshaus Propstore in Los Angeles das Gegenstück versteigert: Darth Vaders Lichtschwert aus „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Propstore beschreibt es als „screen-matched hero dueling lightsaber“ – das Haupt-Lichtschwert, das David Prowse und Stuntman Bob Anderson in den Duellen beider Filme führten.

Der Zuschlag lag bei 2,9 Millionen Dollar, mit Aufgeld bei 3.654.000 Dollar. Diesen Unterschied muss man kennen, wenn man Rekorde vergleicht: Alle Summen in diesem Artikel sind Gesamtpreise inklusive Käuferaufgeld, sofern nicht anders angegeben.

Gebaut wurde das Schwert aus einem englischen Kamerablitz-Aufsatz der 1950er Jahre, den das Produktionsteam umbaute. Die Gebrauchsspuren – ein Riss im Gehäuse, ein gebrochener Griff – sind hier kein Makel. Laut Propstore helfen sie, das Objekt konkreten Filmszenen zuzuordnen.

Warum ein unscheinbarer schwarzer Vogel Millionen wert wurde

Vor Robby, vor Rosebud und vor den Ruby Slippers hielt ein anderes Objekt den Rekord: der Malteser Falke aus „The Maltese Falcon“ (1941) mit Humphrey Bogart. Am 25. November 2013 verkaufte Bonhams in New York die Bleistatuette für 4.085.000 Dollar inklusive Aufgeld – damals ein Weltrekord für eine Filmrequisite.

Der Falke ist rund 30 Zentimeter hoch und wiegt etwa 20 Kilogramm. Laut Bonhams trägt er die Inventarnummer „WB 90067“ der Warner-Bros.-Requisitenabteilung und ist eine von zwei bekannten Bleistatuetten für den Film – erkennbar an einer verbogenen Schwanzfeder. Er ist zugleich die einzige, die das Warner-Bros.-Archiv als im Film zu sehen bestätigt hat.

Wichtig für die Einordnung: Die Beispiele in diesem Artikel sind keine strenge Rangliste. Der Falke wurde 2013 verkauft, Robby 2017, die Lichtschwerter 2025 und 2026. Jeder Verkauf spiegelt seinen eigenen Markt und seinen eigenen Moment.

Wenn eine Peitsche zum Symbol eines Filmhelden wird

Im Juli 2025, einen Tag nach dem Rosebud-Rekord, versteigerte Heritage eine Peitsche aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) für 525.000 Dollar inklusive Aufgeld. Harrison Ford benutzte sie bei den Prüfungen um den Heiligen Gral am Ende des Films.

Die Provenienz ist ungewöhnlich: Ford überreichte die Peitsche bei der britischen Premiere dem damaligen Prinzen Charles. Der schenkte sie Prinzessin Diana, die sie wiederum weitergab. Wichtig: Es gibt mehrere originale Indiana-Jones-Peitschen aus verschiedenen Filmen. Wer eine angeboten bekommt, muss genau klären, aus welcher Produktion und welcher Szene sie stammt.

OBJEKTFILMAUKTIONGESAMTPREIS
Ruby SlippersDer Zauberer von Oz (1939)Heritage, 12/202432,5 Mio. $
Rosebud-SchlittenCitizen Kane (1941)Heritage, 07/202514,75 Mio. $
Robby the Robot (Ensemble)Alarm im Weltall (1956)Bonhams, 11/20175,375 Mio. $
Malteser FalkeDie Spur des Falken (1941)Bonhams, 11/20134,085 Mio. $
Luke Skywalkers LichtschwertDas Imperium schlägt zurück (1980)Heritage, 07/20263,75 Mio. $
Darth Vaders LichtschwertImperium / Rückkehr der Jedi-RitterPropstore, 09/20253,654 Mio. $
Indiana-Jones-PeitscheDer letzte Kreuzzug (1989)Heritage, 07/2025525.000 $

Alle Preise inklusive Käuferaufgeld laut den Auktionshäusern. Chronologisch, nicht als Wertrangliste zu lesen.

Fünf Faktoren, die aus Filmobjekten Sammlerstücke machen

Warum erzielt ein Schlitten 14,75 Millionen, während andere Requisiten aus demselben Jahrzehnt kaum Beachtung finden? Es gibt keine Formel. Aber es gibt wiederkehrende Fragen, die bei fast jedem dieser Verkäufe eine Rolle spielen.

FAKTORDIE FRAGE
FILMHISTORISCHE BEDEUTUNGWie wichtig ist der Film – und welche Rolle spielt das Objekt darin?
WIEDERERKENNUNGSWERTErkennen Menschen das Objekt sofort, auch ohne Erklärung?
AUTHENTIZITÄTIst es tatsächlich ein Original aus der Produktion?
PROVENIENZIst die Herkunft lückenlos dokumentiert?
NACHFRAGEWie viele Sammler wollen genau dieses Objekt besitzen?

Diese Faktoren erklären, wie der Markt funktionieren kann. Sie garantieren keinen bestimmten Preis. Zwei Auktionen mit ähnlichen Objekten können sehr unterschiedlich ausgehen – je nachdem, wer an diesem Tag mitbietet.

Warum nicht jedes Original gleich bedeutend ist

In Auktionskatalogen tauchen immer wieder dieselben Begriffe auf. Sie klingen technisch, sind aber entscheidend, um zu verstehen, was man eigentlich vor sich hat.

DIE BEGRIFFE

Screen Used
Das Objekt wurde tatsächlich bei den Dreharbeiten verwendet.
Screen Matched
Das konkrete Exemplar lässt sich über erkennbare Merkmale bestimmten Filmaufnahmen zuordnen.
Hero Prop
Eine Requisite, die oft für Nahaufnahmen oder wichtige Szenen gefertigt wird.
Stunt Prop
Eine Variante für Action- oder Stuntszenen.
Backup Prop
Ein Ersatzexemplar.
Production Made
Für die Produktion hergestellt, aber nicht nachweislich vor der Kamera verwendet.
Replica
Eine Nachbildung.

Diese Begriffe sind keine festen Qualitätsstufen. Ein Production-Made-Objekt kann historisch spannender sein als eine Stunt-Requisite, die nur Sekunden im Bild war. Entscheidend ist, was sich belegen lässt.

Ruby Slippers im arabischen Testmuster mit nach oben gebogenen Spitzen, ausgestellt bei der Vorbesichtigung der Debbie-Reynolds-Auktion
Ein frühes Testpaar im „arabischen“ Design, gezeigt 2011 bei der Vorbesichtigung der Debbie-Reynolds-Auktion in Beverly Hills. Laut Bildbeschreibung ein Konzeptentwurf, der so nicht im Film zu sehen ist – ein Beispiel für „Production Made“.· Foto: pop culture geek · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons
„AUS DEM FILM“ IST EINE BEHAUPTUNG. „SCREEN MATCHED“ IST EIN BELEG – WENN DER ABGLEICH NACHVOLLZIEHBAR IST.

Das Original ist nicht immer einzigartig

Die Ruby Slippers zeigen es deutlich: Bei Filmproduktionen entstehen oft mehrere Exemplare derselben Requisite. Es gibt Versionen für Nahaufnahmen, robustere Versionen für Stunts, Ersatzstücke, falls etwas kaputtgeht, und Spezialversionen für Effekte – wie Lukes Lichtschwert mit der abtrennbaren Hand.

Deshalb kann es mehrere echte Originale geben. Eine Filmrequisite ist nicht automatisch ein Einzelstück. Das macht sie nicht weniger interessant, aber es verändert die Fragen: Welches Exemplar ist das? Wofür wurde es gebaut? Und wo sind die anderen?

EIN OBJEKT, MEHRERE ORIGINALE

WAS ES GEBEN KANN

1
Hero-Version für Nahaufnahmen
2
Stunt-Version für Action
3
Effekt-Version
4
Ersatzexemplar

WAS DU FRAGEN SOLLTEST

1
Welche Version ist es?
2
Ist sie im Film zu sehen?
3
Wo sind die anderen Exemplare?
4
Wer hat das zugeordnet?

Der wichtigste Faktor beim Kauf originaler Filmrequisiten

Provenienz bedeutet: die dokumentierte Herkunft und Besitzgeschichte eines Objekts. Bei Rosebud reicht sie vom RKO-Studiogelände über Joe Dante bis zur Auktion. Bei der Indiana-Jones-Peitsche führt sie über das britische Königshaus. Je besser diese Kette belegt ist, desto mehr Vertrauen kann ein Käufer haben.

  • Studio-Unterlagen und Inventarnummern
  • Produktionsdokumente
  • Originalfotos vom Set
  • frühere Auktionen
  • frühere Besitzer
  • Zertifikate
  • Screen-Matching
  • Gutachten von Fachleuten

Wichtig: Ein Zertifikat allein ist keine Echtheitsgarantie. Es ist so gut wie die Person oder Firma, die es ausgestellt hat – und wie die Belege, auf die es sich stützt.

Viele legendäre Objekte sollten ursprünglich gar nicht überleben

Nach den Dreharbeiten beginnt für Requisiten ein ungewisses Leben. Sie werden eingelagert, für andere Filme wiederverwendet, verkauft, verschenkt, in Archiven aufbewahrt, an Mitarbeiter weitergegeben oder entsorgt. Robby wurde für Fernsehserien recycelt. Rosebud stand jahrzehntelang in einem Studiolager, bevor ihn jemand Joe Dante anbot.

Manche Objekte überleben nur durch Zufall. Andere werden bewusst bewahrt – von Studios, von Regisseuren, von Museen. Pauschal zu behaupten, die Studios hätten früher alles vernichtet, wäre falsch. Aber viele Wege, die eine Requisite nehmen kann, enden nicht in einer Vitrine.

Zwei Äxte aus dem Film „The Shining“ an einer Wand in der Stanley-Kubrick-Ausstellung des Los Angeles County Museum of Art
Äxte aus „The Shining“ in der Ausstellung „Stanley Kubrick: The Exhibit“ im Los Angeles County Museum of Art. Manche Requisiten überleben, weil ein Regisseur oder ein Archiv sie bewusst aufbewahrt.· Foto: Eric Chan · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Wie Hollywood-Geschichte unter den Hammer kommt

Spezialisierte Auktionshäuser wie Heritage Auctions, Propstore und Bonhams, aber je nach Angebot auch Christie's und Sotheby's, vermitteln Film-Memorabilia. Der Weg ist meist ähnlich: Ein Besitzer liefert ein Objekt ein. Das Auktionshaus recherchiert die Geschichte, prüft die Echtheit, beschreibt das Los im Katalog und legt eine Schätzung fest. Dann folgt die Auktion – online, live oder beides.

  1. Einlieferung
  2. Recherche
  3. Authentifizierung
  4. Katalogisierung
  5. Schätzung
  6. Auktion
  7. Zuschlag
  8. Käuferaufgeld

Zwei Unterscheidungen sind beim Lesen von Rekordmeldungen entscheidend. Erstens: Der Schätzpreis ist nicht der Verkaufspreis. Die Ruby Slippers waren auf drei Millionen geschätzt und brachten 32,5. Zweitens: Der Hammerpreis ist nicht der Gesamtpreis. Bei Vaders Lichtschwert lag der Zuschlag bei 2,9 Millionen, der Käufer zahlte mit Aufgeld 3,654 Millionen.

Besucher drängen sich bei der Vorbesichtigung einer Hollywood-Auktion zwischen historischen Filmkostümen
Vorbesichtigung der Debbie-Reynolds-Auktion 2011 im Paley Center for Media, Beverly Hills: Vor dem Zuschlag wird Filmgeschichte öffentlich gezeigt.· Foto: pop culture geek · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Hollywood-Memorabilia ist nicht nur etwas für Millionäre

Die Millionenrekorde bekommen die Schlagzeilen. Doch das Sammelgebiet ist breiter. Neben den großen Ikonen gibt es Bereiche, in denen viele Sammler einsteigen: Produktionsunterlagen, kleinere Requisiten, Kostümteile, Set-Dekoration, Storyboards, signierte Produktionsobjekte und Originalzeichnungen.

Eine Preisgarantie gibt es auch hier nicht. Ein günstiges Objekt wird nicht automatisch wertvoller, nur weil es aus einem bekannten Film stammt. Wer sammelt, sollte sammeln, was ihn interessiert – und genauso gründlich prüfen wie bei einem großen Los.

Warum ein gutes Foto noch keinen Beweis liefert

Eine gute Replik kann dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen. Besonders problematisch sind gefälschte Zertifikate, erfundene Herkunftsgeschichten, falsche Zuordnungen zu einer Produktion und Objekte, die nachträglich verändert wurden, damit sie zu einer Filmszene passen.

Worauf du beim Kauf originaler Filmrequisiten achten solltest

RARIFYND CHECK

  • 01 · Film und Produktion
  • 02 · Konkrete Requisitenversion
  • 03 · Screen Used?
  • 04 · Screen Matched?
  • 05 · Herkunft
  • 06 · Produktionsdokumente
  • 07 · Auktionshistorie
  • 08 · Zertifikate
  • 09 · Zustand
  • 10 · Restaurierungen
  • 11 · Bekannte Vergleichsexemplare
  • 12 · Rechtliche Herkunft
  • 13 · Transport und Versicherung
  • 14 · Langfristige Konservierung

Doch wenn der Film zur Kulturgeschichte wird, verändert sich auch die Bedeutung seiner Objekte. Ein Paar Schuhe wird zum Symbol einer ganzen Epoche. Ein Schlitten zum Sinnbild verlorener Kindheit. Ein Lichtschwert zum materiellen Überrest einer erfundenen Galaxie. Und plötzlich sammeln Menschen nicht mehr nur Gegenstände. Sie sammeln Erinnerungen, Geschichten und Filmgeschichte.

Eine perfekte Replik kann trotzdem etwas Entscheidendes nicht besitzen

Eine moderne Replik kann optisch nahezu identisch sein. Manchmal ist sie sogar sauberer verarbeitet als das Original, das unter Zeitdruck in einer Studiowerkstatt entstand. Aber sie war nicht Teil der Produktion. Sie hat nicht dieselbe historische Verbindung.

Der Unterschied heißt materielle Authentizität. Ein Original war tatsächlich dabei, als der Film entstand. Eine Replik erinnert daran.

Rote Djinn-Sessel und ein Sofa von Olivier Mourgue aus dem Film 2001: Odyssee im Weltraum in einer Museumsausstellung
Die roten Djinn-Möbel von Olivier Mourgue aus der Raumstation in „2001: Odyssee im Weltraum“, gezeigt im Los Angeles County Museum of Art. Der Film ist Fiktion – die Möbel stehen bis heute im Raum.· Foto: Eric Chan · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Hollywood erschafft Welten, die es eigentlich nicht gibt. Galaxien, Zauberländer, Abenteuer, vergangene Epochen, Fantasiefiguren. Doch manchmal bleibt ein kleiner Teil dieser Welten in unserer Realität zurück. Ein Paar Schuhe. Ein Schlitten. Ein Lichtschwert. Ein Roboter.

Und Jahrzehnte später sind Sammler bereit, Millionen dafür zu zahlen. Nicht unbedingt, weil das Material so wertvoll ist. Sondern weil die Geschichte unbezahlbar erscheint.

Wenn du ein einziges Original aus der Filmgeschichte besitzen könntest – welches wäre es?

Häufige Fragen zu den teuersten Filmrequisiten

Zu den teuersten dokumentierten Hollywood-Memorabilia zählen Dorothys Ruby Slippers aus „Der Zauberer von Oz“. Ein originales Paar erzielte am 7. Dezember 2024 bei Heritage Auctions 32,5 Millionen US-Dollar inklusive Aufgeld.

Quellen